Wer keine Highend-Grafikkarte sein Eigen nennen kann, spielt häufig mit dem Gedanken einer kostenlosen Leistungssteigerung der Grafikkarte: dem sogenannten Übertakten bzw. Overclocking. Ist das restliche System hierfür ausgelegt, spricht auch nichts dagegen. Entscheidend ist jedoch eine ausreichend gute Kühlung der Grafikkarte – und ein schrittweises behutsames Vorgehen. Viele Grafikkarten-Hersteller offerieren bereits am Werk eine übertaktete Version ihrer Grafikkarten-Modelle. Diese tragen dann meistens den Zusatz „OC“ im Produktnamen. Übertaktet werden bei Grafikkarten der Grafikprozessor (GPU) und der Grafikspeicher. Je nach Kühlung sind sogar Leistungssteigerungen von 20 bis 40 Prozent möglich.

Wasserkuehlung

Wasserkühlung

Für die Übertaktung werden hierbei spezielle (meistens kostenlose) Programme bzw. Tools verwendet, mit deren Hilfe der Takt des Grafikprozessors und des Speichers stufenweise angehoben werden kann. Läuft die Grafikkarte bei höherer Taktung stabil, kann die nächste Stufe in Angriff genommen werden. Parallel zu diesem schrittweisen Vorgehen empfiehlt es sich, eine permanente Temperaturüberwachung zu installieren. So kann die Temperatur der Grafikkarte während des Übertaktens bzw. während des Overclocking-Vorganges überwacht werden, denn bei einer Überhitzung der GPU bzw. des Grafikspeichers drohen irreparable Hardwareschäden. Da es sich hierbei nicht um einen Garantiefall handelt, bleibt der Endnutzer auf dem Schaden sitzen. Nur wenn Hersteller die Übertaktung ab Werk vorsehen, besitzen Sie einen Garantieanspruch, anderenfalls erlischt die Garantie und Gewährleistung bei eigenständigen Leistungssteigerungen bzw. Hardwareeingriffen. Doch wie sollten Sie bei Ihrem Übertaktungsversuch vorgehen? Wir zeigen es Ihnen, damit Ihr Overclocking Aussicht auf Erfolg hat.

1. Aktuelle und stabile Grafikkartentreiber installieren
Die Leistung einer Grafikkarte hängt maßgeblich von den verwendeten Treibern ab. Aktualisieren Sie diese bevor Sie einen Übertaktungsversuch unternehmen, da auch die Systemstabilität evident vom verwendeten Treiber abhängt. Verzichten Sie hierbei auf den Einsatz vermeintlich schnellerer Beta-Treiber und wählen Sie lieber stabile und zertifizierte Treiber der Hersteller bzw. Chiphersteller. Aktuelle Treiber finden Sie auch bei uns.

2. Für effiziente und ausreichende Kühlung sorgen
Die wichtigste Determinante für ein erfolgreiches Overclocking stellt die vorhandene Kühlleistung dar. Besonders effizient sind hierbei starke Lüfter oder sogar eine Wasserkühlung, doch auch für Normalnutzer gibt es günstige Möglichkeiten, die Kühlleistung zu verbessern:

  • zusätzliche kleine Lüfter können den Grafikprozessor und/oder die Kühlrippen des Speichers kühlen (Highend-Grafikkarten besitzen jedoch schon häufig komplette Kühllösungen auf der Grafikkarte)
  • zusätzlich können weitere gehäuselüfter installiert werden, um entstandene Abwärme schneller und effizienter abtransportieren zu können. Hier empfehlen sich 80mm oder sogar leistungsstärkere 120mm Lüfter.
  • viele Hersteller verwenden für die Herstellung des Kontaktes von GPU und Kühlrippen nur Wärmeleitpads. Viel effizienter ist der Einsatz von Wärmeleitpaste (z.B. mit hohem Silberanteil), benötigt jedoch eine technische Versiertheit des Anwenders beim Austausch und sollte nicht von Laien durchgeführt werden.

3. Overclocking-Tools installieren
Fast jeder Hersteller bietet Overcloking-Tools an, wobei auch einige freie und plattformübergreifende Tools existieren. Konsultieren Sie ihre Bedienungsanleitung und installieren Sie das für Ihr Grafikmodell entsprechende Tool.

4. Gefahren abwägen
Jede Grafikkarte stößt irgendwann auf ihre Grenzen. Dies kann bereits bei einer minimalen Übertaktung geschehen oder sogar erst nach immensen Leistungssteigerungen von bis zu 40%. Oft spielen die wie bereits erwähnten Kühlmethoden oder Gehäuseumbauten eine sehr große Rolle. Es muss Ihnen stets klar sein, dass die Garantie Ihrer Grafikkarte erlischt und die Grafikkarte auch ohne vorherige Anzeichen eventuelle Schäden davontragen kann! Wenn diese Gefahren abgewägt haben und Ihr Vorhaben weiterhin umsetzen wollen, dann folgt der letzte und entscheidende Schritt.

5. Schrittweises Vorgehen
Erhöhen Sie die Taktfrequenz des Grafikspeichers (GPU) und/oder des Grafikspeichers (RAMDAC) nur in kleinen Schritten. Testen Sie anschließend die Stabilität und achten Sie auf frühzeitige Probleme und Fehler, die eine Überlastung der Grafikkarte andeuten können:

  • Einfrieren des Bildes
  • Kleine oder sogar grobe Pixelfehler
  • Entstehen von Ausnahmefehlern oder schwarzer Bildschirm
  • Starkes Ruckeln in Spielen oder Videowiedergaben (bei ausgeschalteten V-Sync)

Parallel müssen Sie ständig die Temperatur der Grafikkarte überwachen. Hierzu müssen Sie gegebenenfalls vom Hersteller zur Verfügung gestellte Software installieren und kalibrieren. Konsultieren Sie hierzu ebenfalls die Bedienungsanleitung oder Ihren Hersteller. Einige Grafikkarten bieten keine softwareseitige Temperaturüberwachung an, was logischerweise die Gefahr beim Übertakten erhöht, da ein rechtzeitiges Erkennen von Überhitzungen erschwert wird. Treten Fehler auf oder kündigt sich eine Überhitzung an, fahren Sie umgehend die Taktfrequenzen einen Schritt zurück, bis Sie wieder einen stabilen Zustand erreichen.

Anmerkung: für eventuell entstehende und/oder entstandene Schäden bei Soft- oder Hardwareeingriffen Ihrer Grafikkarte übernehmen wir keine Haftung. Alle Angaben sind ohne Gewähr und dienen nur der Orientierung.

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