Die Grafikkarte ist kaputt bzw. defekt, produziert nur noch Bildfehler oder der Monitor bleibt schwarz. Dieses Szenario ist der Albtraum jedes Besitzers. Die Ursachen hierfür können vielfältig sein, von einem Hardware- bzw. physischen Defekt bis hin zu Software- oder Treiberproblemen. Viel interessanter ist jedoch die Frage, wie man seine vermeintlich defekte Grafikkarte wieder zum Laufen bekommt. Möglichkeiten offenbaren sich viele, doch respektive eine Methode erregt im Internet seit jeher besondere Aufmerksamkeit – das Reparieren der Grafikkarte im Backofen oder anders formuliert: die Grafikkarte backen. Hierbei wird die Grafikkarte bei niedriger bis mittlerer Temperatur in den Backofen gelegt und für eine kurze Zeitspanne gebacken. Das Resultat soll eine voll funktionsfähige Grafikkarte sein. Doch kann dies überhaupt funktionieren, welche Alternativen gibt es und was gilt es zu beachten? Mythos oder Wundermittel Backofen? Wir erklären es Ihnen.

Anmerkung:
Generell raten wir Ihnen ausdrücklich von der nachfolgend beschriebenen Methode ab, da Sie hierdurch sämtlich Garantie- und Gewährleistungsansprüche verlieren. Sie sollten somit immer zuerst die Rücksendung zum Hersteller (RMA) in Betracht ziehen und mögliche Garantie- und Gewährleistungsansprüche in Anspruch nehmen. Wir weisen Sie abermals darauf hin, dass sämtlichen nachfolgenden Maßnahmen einen Verlust der Garantie nach sich ziehen!

Reparatur der defekten Grafikkarte im Backofen

Obgleich im Internet eine Vielzahl von positiven Erfahrungsberichten kursiert und der Backofen als wundersames Reparaturmittel angepriesen wird, ist ein Erfolg der Prozedur nicht sicher und kann von uns auch nicht gewährleistet werden. Bitte beachten Sie dies. Der Vorgang, die Grafikkarten im Backofen zu backen ist im Prinzip sehr einfach.

  • 1. Heizen Sie den Backofen auf ca. 100-105°C vor
  • 2. Entfernen Sie unbedingt den Kühler der Grafikkarte
  • 3. Sobald die entsprechende Temperatur erreicht wurde, legen Sie die Grafikkarte (ohne Kühler) auf ein Blechrost im Backofen. Alternativ empfehlen viele Nutzer die Verwendung von Backpapier
  • 4. Heizen Sie der Grafikkarte für ca. 30 Minuten im Backofen ein bzw. backen Sie die Grafikkarte
  • 5. Entfernen Sie die Grafikkarte vorsichtig und schalten Sie den Ofen aus
  • 6. Bauen Sie die „gebackene Grafikkarte“ in Ihren Computer ein und starten Sie einen Testlauf

Ob Sie den Backofen auf Ober- und Unterhitze oder Heißluft stellen, ist weitestgehend Ihnen überlassen. Bei Heißluft oder Umluft kann es vorkommen, dass winzig kleine Teile oder Kontakte der Grafikkarte weggeblasen werden oder durch die permanenten Luftverwirbelungen von der unteren Seite der Grafikkarte abfallen. Durch die Hitze werden Kontakte und Klebeverbindungen der Grafikkarte weich und verlieren ihre Festigkeit, wodurch diese sonst fest installierten Komponenten Gefahr laufen, abzufallen.

Ein weiterer Aspekt dieser Methode stellt die mögliche Geruchsentwicklung dar. Diese kann auftreten, muss aber nicht, da insbesondere die Kondensatoren der Grafikkarte ohne weiteres für Betriebstemperaturen bis zu 105°C ausgelegt sind. Dennoch vermeiden Sie es bitte, auftretende Gerüche zu inhalieren und reinigen Sie den Backofen nach diesem Reparaturversuch bitte sehr gründlich.

Das Funktionsprinzip: warum funktioniert das Backen der Grafikkarte?

Grafikkarte im Backofen

Reparaturwerkstatt: Küche

Die beschriebene Backmethode als Reparaturansatz ist respektive bei Bildfehlern erfolgreich, da diese als Ursache nicht selten sogenannte kalte Lötstellen als Fehlerquelle aufweisen. Die Kontakte des Grafikkartenspeichers sind kleine rundliche Kontakte aus Lötzinn, die im Fertigungsprozess mit der Hauptplatine der Grafikkarte verschmolzen werden. Bei fehlerhaften oder defekten Kontakten spricht man von einer kalten Lötstelle. Durch Korrosion oder andere Einwirkungen können diese Stellen entstehen mit der Konsequenz, dass nur noch sehr wenig bis gar kein Strom mehr fließt. Die Grafikkarte produziert Bildfehler. Durch das Backen der Grafikkarte werden diese Zinnstellen durch die Hitzeeinwirkung des Backofens wieder weich und unter Umständen wieder leitfähig. Die Grafikkarte funktioniert nun wieder. Bei Lötzinn werden folgende Temperaturen unterschieden (bitte ggf. abgleichen)

Typische Blei-Zinn-Weichlotbezeichnungen für Elektronikschaltungen:

  • L-Sn50PbCu (1,2-1,6% Kupfer; 183 °C Solidus-, 215 °C Liquidustemperatur)
  • L-Sn60PbCu (0,1-0,2% Kupfer; 183 °C Solidus-, 190 °C Liquidustemperatur)
  • L-Sn60PbCu2 (1,6-2% Kupfer; 183 °C Solidus-, 190 °C Liquidustemperatur)
  • L-Sn50PbAg (178 °C Solidus-, 210 °C Liquidustemperatur)
  • L-Sn60PbAg (178 °C Solidus-, 180 °C Liquidustemperatur)
  • L-Sn63PbAg (178 °C Solidus- und Liquidustemperatur)

Dennoch gilt es unbedingt zu beachten, dass diese sehr einfache Methode unter keinen Umständen eine Erfolgsgarantie impliziert und wir an dieser Stelle noch einmal darauf aufmerksam machen müssen, dass wir keinerlei Gewährleistung oder Garantie übernehmen – auch im Hinblick auf eventuell entstehende Schäden.

Die Alternative zum Backofen: der Heißluft-Fön

Eine Abwandlung dieser Reparaturmethode für kaputte Grafikkarten stellt der Heißluft-Fön dar. Hierdurch vermeiden Sie eine potenzielle Geruchsentwicklung im Ofen oder sonstige Schäden in der Küche. Doch auch hier ist der Erfolg genauso wenig garantiert wie bei der zuvor beschriebenen Backofen-Methode.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass dieser Mythos durchaus seine Berechtigung hat und viele Endverbraucher ihre zuvor defekte Grafikkarte wieder einsatzfähig machen konnten. Dennoch kann hier nicht von einem Wundermittel gesprochen werden, da der Erfolg weder garantiert werden kann noch der damit erlöschende Gewährleistungsanspruch eine Kleinigkeit darstellt.

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